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Traumatherapie versus Hypnosetherapie

Zusammenfassung des Vortrags „Traumatherapie versus Hypnosetherapie“

Der Vortrag „Traumatherapie versus Hypnosetherapie“ beschĂ€ftigt sich mit einem Vergleich zwischen verhaltenstherapeutischer Traumatherapie nach Dr. Pieper und der hypnotherapeutischen Traumatherapie. Beide Therapieformen werden bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) eingesetzt.

Buch: Wenn unsere Welt aus den Fugen gerÀt, Georg Pieper

ZunĂ€chst geht Astrid Krimmel hier auf die Kriterien ein, nach denen eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt. Von einer solchen Störung sprechen wir, wenn eine Person kurz- oder langfristig einer außergewöhnlichen psychischen Belastung (zum Beispiel einer Bedrohung) ausgesetzt war.

In der Folge kommt es zu anhaltenden Erinnerungen oder unwillkĂŒrliches Wiedererleben, wiederholende AlbtrĂ€ume, GefĂŒhl von BedrĂ€ngnis in Ă€hnlichen Situationen. Solche UmstĂ€nde werden nach Möglichkeit vermieden. Kennzeichnend fĂŒr die PTBS ist eine (vollstĂ€ndige) UnfĂ€higkeit, sich an wichtige Aspekte der Sache zu erinnern oder es treten anhaltende Symptome auf: erhöhte psychische SensitivitĂ€t, Erregung, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Hypervigilanz.

Meistens treten diese Symptome binnen sechs Monaten nach dem Ereignis oder nach der Belastungsphase auf. Es wird zwischen zwei Formen der Traumatisierung unterschieden: 1. Traumatisierung durch kurze und ĂŒberraschende Ereignisse (zum Beispiel Naturkatastrophen, Gewalttaten) und 2. lĂ€nger andauernde, wiederholte Vorkommnisse (beispielsweise sexueller Missbrauch, wiederholte Gewalt).

Ein großer Teil der Traumatisierten leidet an komorbiden Störungen wie Angststörungen, Depressionen, SuizidalitĂ€t, Medikamenten-, Alkohol- und Drogensucht, Anpassungsstörungen, Somatisierungsstörungen, dissoziative Störungen, Herz- und Kreislauferkrankungen. Bei Kindern und Jugendlichen sind Delinquenz und Störungen im Sozialverhalten zu beobachten. Bei der Therapie geht es um Stabilisierung (Entwicklung von eigenen BewĂ€ltigungsstrategien, Interventionen, die das Ich unterstĂŒtzen, DistanzierungsĂŒbungen), Traumabearbeitung und Rehabilitation.

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Hier kannst Du die PrĂ€sentation „Traumatherapie versus Hypnosetherapie“ kostenfrei herunterladen:

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Entstehung der Erkrankung (Lerntheorie nach Foa und Kozak, 1986)

Die Verbindung zwischen Stimulus und Reaktionen verĂ€ndert die GedĂ€chtnisinhalte in ihrer Funktion und Struktur. Es kommt zu einer dauerhaften „Furchtstruktur“, das SicherheitsgefĂŒhl schwindet, es kommt zur Vermeidung entsprechender Situationen. Das wiederum verstĂ€rkt die „Furchtstruktur“ und lĂ€sst den Angstpegel steigen. Ein Teufelskreis entsteht.

Biologische ErklÀrungsansÀtze nach Lammers und Schaffauer (2007)

Biologisch betrachtet, kommt es bei einer PTBS zu Blockaden der Verbindung zwischen Amygdala, prĂ€frontalem Cortex und dem Hippocampus. Die Amygdala hat die Funktion, Stimuli vor dem Hintergrund des Reaktionsprogrammes („fight or flight“) zu bewerten. Im Hippocampus werden Erinnerungen nach Ort, Zeit und Situation verarbeitet. Im prĂ€frontalen Cortex (PFC) ist der Sitz der Aufmerksamkeit, des GedĂ€chtnisses und der Kontrollfunktionen.

Verhaltenstherapeutische Konfrontation versus hypnotherapeutische Konfrontation

Die verhaltenstherapeutische Konfrontation

Bei der verhaltenstherapeutischen Konfrontation wird in Clustern gearbeitet. Die erste Konfrontation stellt eine kontrollierte Traumaexposition (KTE) dar, bei der das Geschehen im Detail vor Augen gefĂŒhrt wird. Es werden dabei aber keine Emotionen bearbeitet. Dieser Schritt dauert etwa 90 bis 120 Minuten.

Die zweite Konfrontation beschreibt ein sogenanntes Traumadrehbuch, bei dem die „Hotspots“ in den Fokus geraten. Die Belastung wird auf einer Skala von 0-10 gemessen und steigt stetig an, sodass eine Gewöhnung entsteht. Die Dauer dieser Sitzung betrĂ€gt 60 bis 120 Minuten.
Danach folgt eine EMDR nach Lewin, Lazarove und van der Kolk. EMDR ist die AbkĂŒrzung fĂŒr „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“. Übersetzt heißt das: „Desensibilisierung und Verarbeitung durch die Augenbewegung“. Die Verbindung der HirnhĂ€lften wird gefördert. Unterschieden werden acht Phasen nach Hofmann: Anamnese und Behandlungsplanung, Stabilisierung und Vorbereitung, Bewertung, Desensibilisierung und Prozessierung, Verankerung, der Körpertest, Abschluss, die Nachbefragung. Dazu sind mehrere Sitzungen zu je 90 Minuten nötig.

Die dritte Konfrontation ist eine Exposition in vivo, bei der der Patient entsprechenden Reizen ausgesetzt wird. Das dauert abermals eine bis drei Stunden.

Es folgen eine Nachbesprechung mit Ressourcenintegration und ein Briefing. Eventuell werden mehrere Traumata einzeln bearbeitet. Diese Phase nimmt zwischen 6 und 12 Stunden Zeit in Anspruch.

Bei der herkömmlichen Traumatherapie ist also mit einem Zeitaufwand von insgesamt mindestens 13 Stunden (ohne VorgesprÀch) pro traumatischem Ereignis zu rechnen.

Die hypnotherapeutische Konfrontation

Bei der hypnotherapeutischen Konfrontation kommt es in der ersten Sitzung durch die Regression zur Ursache wodurch das initial sensitivierende Ereignis neutralisiert und aufgelöst wird. Diese Etappe dauert nur 25 bis 45 Minuten.

In der zweiten Etappe wird eine ICT, eine „Inner Child Therapy“ vorgenommen. Dabei wird die Situation eingeschĂ€tzt und die Ressourcenarbeit eingeleitet. Das dauert nur 10 bis 30 Minuten.

Im Anschluss folgt eine Phase der Vergebensarbeit, des Erkennens und Loslassens. Das dauert erneut 20 bis 30 Minuten. Wenn nötig, wird erkannt, dass keine Gefahr mehr besteht und eine Habituation erfolgen kann. Das dauert keine Minute.

Eine halbstĂŒndige RessourcenstĂ€rkung und Progression kann sich anschließen.

Insgesamt ist bei der hypnotherapeutischen Konfrontation mit einem Zeitaufwand von höchstens 2 Stunden und 55 Minuten zu rechnen.

Retraumatisierung

Zu guter Letzt geht der Vortrag noch auf die Frage der Retraumatisierung ein. Es handelt sich dabei um das erneute Erleben (Wiederholung) eines psychischen Traumas.

Das kann entweder im Alltag geschehen, durch Zeitungsberichte und Flashbacks oder bewusst im Rahmen einer Therapie. Es handelt sich dabei um Vorgehensweisen, die – nach Maercker und Rosner – lediglich belasten, aber dem Patienten keine Erleichterung bringen.

Traumatherapie versus Hypnosetherapie: ICD-10 Kriterien fĂŒr eine PTBS

A: Die Person war einem kurz- oder langanhaltenden Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung 
 ausgesetzt, das bei 
 eine 
 Verzweiflung auslösen wĂŒrde.

B: Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinnerungen, lebendige Erinnerungen, sich wiederholende TrĂ€ume oder durch innere BedrĂ€ngnis in Situationen, die der Belastung Ă€hneln oder mit ihr in Zusammenhang stehen

C: UmstĂ€nde, die der Belastung Ă€hneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen, werden tatsĂ€chlich oder möglichst vermieden. Dieses Verhalten bestand nicht vor dem belastenden Erlebnis

D: Entweder 1 oder 2:
1. Teilweise oder vollstÀndige UnfÀhigkeit, einige wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern

2. vorhanden vor der Belastung und mit zwei oder mehr der folgenden Merkmale):

Anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen SensitivitÀt und Erregung (nicht

Ein- und Durchschlafstörungen

  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Hypervigilanz

E: Die Kriterien B, C und D treten innerhalb von sechs Monaten nach dem Belastungsereignis oder nach Ende der Belastungsperiode auf (Aus bestimmten GrĂŒnden
 kann ein spĂ€terer Beginn berĂŒcksichtigt werden, dies sollte aber gesondert angegeben werden.

Traumatherapie lernen

Wenn Du Interesse an diesem Feld hast und gerne mehr ĂŒber die Traumatherapie erfahren oder sie sogar erlernen möchtest, kannst Du Dich hier gerne zusĂ€tzlich informieren: Traumatherapie mit Hypnose

Falls Du generell an Hypnose interessiert bist und noch keine Ausbildung besucht hast, könnte das hier etwas fĂŒr Dich sein:

Geschrieben von Stin-Niels Musche am 7. November 2017
Stin-Niels Musche ist Hypnosetherapeut und Hypnoseausbilder. Seit 2009 in eigener Praxis tĂ€tig, begleitet er Patienten aus allen möglichen Ecken der Welt. Die Hypnosetherapie ist auf Deutsch und Englisch möglich. Die schelmische, ungezwungene und lockere Art von Stin-Niels hilft den Patienten sich schnell zu öffnen, so dass die Hypnosetherapie Ă€ußerst effizient genutzt werden kann und keine Zeit mit weniger wichtigen Dingen verschwendet wird, das Ziel bzw. den VerĂ€nderungswunsch des Patienten immer klar im Fokus.
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