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Blog / Die geheime Strategie von Milton Erickson

Die geheime Strategie von Milton Erickson, die jedes Mal funktionierte

Metaphern interpretieren - ja oder nein?

Wenn du ein Hypnotiseur oder Hypnosetherapeut bist, wirst du vielleicht einmal auf einen Klienten stoßen, der sehr indirekt, also in Metaphern, spricht.

Oder vielleicht musst du sogar mal einen schizophrenen Patienten behandeln, der im Grunde in einer Art Metapher „lebt“.
(Anmerkung: Ja, ich weiß, dass es deutlich komplexer ist)

Wie du wahrscheinlich schon weißt, war Milton Erickson ein Meister auf dem Gebiet der Metaphern. Er sprach mit einem Klienten oder Patienten in der metaphorischen Sprache dieser Person, die ihm in der Hypnose gegenĂŒber saß, genauso gut wie im alltĂ€glichen GesprĂ€ch mit einer „normalen“ Person.

Aber es gab eine Sache, die er sich hartnĂ€ckig weigerte zu tun. Etwas, das ihn scharf von anderen Therapeuten unterschied, war die Metapher seiner Klienten oder Patienten zu „erklĂ€ren“.

Er war absolut nicht bereit, den Menschen zu „interpretieren“ oder zu â€œĂŒbersetzen”, was ihre Metaphern fĂŒr sie bedeuteten.

Er ĂŒbersetzte „unbewusste“ Kommunikation nicht in eine bewusste Form.

Milton Erickson arbeitete immer innerhalb des metaphorischen Kontexts seines Patienten und reagierte in gleicher Weise.

Ob durch den Gebrauch von Geschichten oder Parabeln, durch körperliche zwischenmenschliche Handlungen oder durch subtile Regie, Milton Erickson bewirkte (normalerweise rasche) VerÀnderungen, indem er innerhalb der Metaphern seines Klienten oder Patienten arbeitete.

Er war der festen Überzeugung, dass die Tiefe und das Tempo der VerĂ€nderung stark beeintrĂ€chtigt werden könnten, wenn er versuchte, seinem Klienten oder Patienten die Metapher zu „erklĂ€ren“ oder zu â€žĂŒbersetzen“.

Und sein bewusster Verzicht auf Interpretation galt nicht nur fĂŒr die verbale Kommunikation, sondern auch fĂŒr die nonverbale Kommunikation, wie z.B. Körperbewegungen.

Erickson war berĂŒhmt fĂŒr seine Ă€ußerst versierte FĂ€higkeit, nonverbale Kommunikation aufzugreifen.

Aber die Informationen, die er erhielt, blieben ebenfalls nonverbal.

So sagte zum Beispiel eine Patientin einmal zu ihrer Therapeutin: „Ich mag meinen Mann“, und sie bedeckte ihren Mund mit der Hand, wĂ€hrend sie sprach.

Als sie versuchte zu helfen, erklĂ€rte ihr die Therapeutin, dass sie wegen ihrer Handbewegung eine Art Vorbehalt gegenĂŒber dem hatte, was sie ĂŒber ihren Mann sagte.

Ihrer Meinung nach half er ihr, indem er ihr ihre unbewusste Geste bewusst machte.

Was hÀtte Erickson stattdessen getan?

ZunÀchst einmal hÀtte er NIEMALS irgendeine Art von Kommentar zu der Handbewegung der Frau abgegeben.

Er hĂ€tte sie einfach als eine Form der vollkommen gĂŒltigen Kommunikation akzeptiert.

Seiner Meinung nach wĂ€re der Versuch, die Geste zu ĂŒbersetzen, störend und sogar unhöflich.

Schlimmer noch, es könnte das, was sich als eine Ă€ußerst komplexe Aussage herausstellen könnte, grob vereinfachen.

Oder, um es mit den Worten des Erickson-Historikers Jay Haley: „Typischerweise sind „einsichtsvolle“ Interpretationen unbewusster Kommunikation absurd reduktionistisch, wie die Zusammenfassung eines Shakespeare-StĂŒckes in einem Satz.

Also, versuche von heute an, einen der großartigsten Hypnotherapeuten, den die Welt je gekannt hat zu imitieren, und versuche nicht, die Gedanken Ihres Klienten zu „lesen“, weder durch verbale, noch durch nonverbale Handlungen dieser Person.

Lass deine Klienten und Patienten in ihren Metaphern und arbeite daran, VerĂ€nderungen in ihnen zu bewirken 
 ohne ErklĂ€rung, Übersetzung oder Interpretation.

Es mag dem AnfĂ€nger am Anfang ein bisschen zu leicht und einfach erscheinen, aber das Erlernen kleiner Tricks wie dieser ist unerlĂ€sslich, wenn du das Bewusstsein „austricksen“ willst! Manchmal sind es nur kleine Nuancen, die den Erfolg in der Hypnose ausmachen.

Was hast Du jetzt zu tun? Nun, eigentlich nichts. Eigentlich! Nimm dir von heute an vor, dass was dir deine Klienten oder Patienten erzĂ€hlen nicht mehr zu interpretieren oder zu deuten und versuche nicht ihnen zu erklĂ€ren, was hinter einem GefĂŒhl oder dergleichen steht.

Geschrieben von Stin-Niels Musche am 12. MĂ€rz 2020
Stin-Niels Musche ist Hypnosetherapeut und Hypnoseausbilder. Seit 2009 in eigener Praxis tĂ€tig, begleitet er Patienten aus allen möglichen Ecken der Welt. Die Hypnosetherapie ist auf Deutsch und Englisch möglich. Die schelmische, ungezwungene und lockere Art von Stin-Niels hilft den Patienten sich schnell zu öffnen, so dass die Hypnosetherapie Ă€ußerst effizient genutzt werden kann und keine Zeit mit weniger wichtigen Dingen verschwendet wird, das Ziel bzw. den VerĂ€nderungswunsch des Patienten immer klar im Fokus.
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