Traumatherapie versus Hypnosetherapie

Zusammenfassung eines Vortrags

Der Vortrag beschäftigt sich mit einem Vergleich zwischen verhaltenstherapeutischer Traumatherapie nach Dr. Pieper und der hypnotherapeutischen Traumatherapie. Beide Therapieformen werden bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) eingesetzt.

Zunächst geht die Referentin auf die Kriterien ein, nach denen eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt. Von einer solchen Störung sprechen wir, wenn eine Person kurz- oder langfristig einer außergewöhnlichen psychischen Belastung (zum Beispiel einer Bedrohung) ausgesetzt war.

In der Folge kommt es zu anhaltenden Erinnerungen oder unwillkürliches Wiedererleben, wiederholende Albträume, Gefühl von Bedrängnis in ähnlichen Situationen. Solche Umstände werden nach Möglichkeit vermieden. Kennzeichnend für die PTBS ist eine (vollständige) Unfähigkeit, sich an wichtige Aspekte der Sache zu erinnern oder es treten anhaltende Symptome auf: erhöhte psychische Sensitivität, Erregung, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Hypervigilanz.

Meistens treten diese Symptome binnen sechs Monaten nach dem Ereignis oder nach der Belastungsphase auf. Es wird zwischen zwei Formen der Traumatisierung unterschieden: 1. Traumatisierung durch kurze und überraschende Ereignisse (zum Beispiel Naturkatastrophen, Gewalttaten) und 2. länger andauernde, wiederholte Vorkommnisse (beispielsweise sexueller Missbrauch, wiederholte Gewalt).

Ein großer Teil der Traumatisierten leidet an komorbiden Störungen wie Angststörungen, Depressionen, Suizidalität, Medikamenten-, Alkohol- und Drogensucht, Anpassungsstörungen, Somatisierungsstörungen, dissoziative Störungen, Herz- und Kreislauferkrankungen. Bei Kindern und Jugendlichen sind Delinquenz und Störungen im Sozialverhalten zu beobachten. Bei der Therapie geht es um Stabilisierung (Entwicklung von eigenen Bewältigungsstrategien, Interventionen, die das Ich unterstützen, Distanzierungsübungen), Traumabearbeitung und Rehabilitation.

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Entstehung der Erkrankung (Lerntheorie nach Foa und Kozak, 1986)

Die Verbindung zwischen Stimulus und Reaktionen verändert die Gedächtnisinhalte in ihrer Funktion und Struktur. Es kommt zu einer dauerhaften „Furchtstruktur“, das Sicherheitsgefühl schwindet, es kommt zur Vermeidung entsprechender Situationen. Das wiederum verstärkt die „Furchtstruktur“ und lässt den Angstpegel steigen. Ein Teufelskreis entsteht.

Biologische Erklärungsansätze nach Lammers und Schaffauer (2007)

Biologisch betrachtet, kommt es bei einer PTBS zu Blockaden der Verbindung zwischen Amygdala, präfrontalem Cortex und dem Hippocampus. Die Amygdala hat die Funktion, Stimuli vor dem Hintergrund des Reaktionsprogrammes („fight or flight“) zu bewerten. Im Hippocampus werden Erinnerungen nach Ort, Zeit und Situation verarbeitet. Im präfrontalen Cortex (PFC) ist der Sitz der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der Kontrollfunktionen.

Verhaltenstherapeutische Konfrontation versus hypnotherapeutische Konfrontation

Die verhaltenstherapeutische Konfrontation

Bei der verhaltenstherapeutischen Konfrontation wird in Clustern gearbeitet. Die erste Konfrontation stellt eine kontrollierte Traumaexposition (KTE) dar, bei der das Geschehen im Detail vor Augen geführt wird. Es werden dabei aber keine Emotionen bearbeitet. Dieser Schritt dauert etwa 90 bis 120 Minuten.

Die zweite Konfrontation beschreibt ein sogenanntes Traumadrehbuch, bei dem die „Hotspots“ in den Fokus geraten. Die Belastung wird auf einer Skala von 0-10 gemessen und steigt stetig an, sodass eine Gewöhnung entsteht. Die Dauer dieser Sitzung beträgt 60 bis 120 Minuten.

Danach folgt eine EMDR nach Lewin, Lazarove und van der Kolk. EMDR ist die Abkürzung für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“. Übersetzt heißt das: „Desensibilisierung und Verarbeitung durch die Augenbewegung“. Die Verbindung der Hirnhälften wird gefördert. Unterschieden werden acht Phasen nach Hofmann: Anamnese und Behandlungsplanung, Stabilisierung und Vorbereitung, Bewertung, Desensibilisierung und Prozessierung, Verankerung, der Körpertest, Abschluss, die Nachbefragung. Dazu sind mehrere Sitzungen zu je 90 Minuten nötig.

Die dritte Konfrontation ist eine Exposition in vivo, bei der der Patient entsprechenden Reizen ausgesetzt wird. Das dauert abermals eine bis drei Stunden.

Es folgen eine Nachbesprechung mit Ressourcenintegration und ein Briefing. Eventuell werden mehrere Traumata einzeln bearbeitet. Diese Phase nimmt zwischen 6 und 12 Stunden Zeit in Anspruch.

Bei der herkömmlichen Traumatherapie ist also mit einem Zeitaufwand von insgesamt mindestens 13 Stunden (ohne Vorgespräch) pro traumatischem Ereignis zu rechnen.

Die hypnotherapeutische Konfrontation

Bei der hypnotherapeutischen Konfrontation kommt es in der ersten Sitzung durch die Regression zur Ursache wodurch das initial sensitivierende Ereignis neutralisiert und aufgelöst wird. Diese Etappe dauert nur 25 bis 45 Minuten.

In der zweiten Etappe wird eine ICT, eine „Inner Child Therapy“ vorgenommen. Dabei wird die Situation eingeschätzt und die Ressourcenarbeit eingeleitet. Das dauert nur 10 bis 30 Minuten.

Im Anschluss folgt eine Phase der Vergebensarbeit, des Erkennens und Loslassens. Das dauert erneut 20 bis 30 Minuten. Wenn nötig, wird erkannt, dass keine Gefahr mehr besteht und eine Habituation erfolgen kann. Das dauert keine Minute.

Eine halbstündige Ressourcenstärkung und Progression kann sich anschließen.

Insgesamt ist bei der hypnotherapeutischen Konfrontation mit einem Zeitaufwand von höchstens 2 Stunden und 55 Minuten zu rechnen.

Retraumatisierung

Zu guter Letzt geht der Vortrag noch auf die Frage der Retraumatisierung ein. Es handelt sich dabei um das erneute Erleben (Wiederholung) eines psychischen Traumas.
Das kann entweder im Alltag geschehen, durch Zeitungsberichte und Flashbacks oder bewusst im Rahmen einer Therapie. Es handelt sich dabei um Vorgehensweisen, die – nach Maercker und Rosner – lediglich belasten, aber dem Patienten keine Erleichterung bringen.

ICD-10 Kriterien für eine PTBS

A: Die Person war einem kurz- oder langanhaltenden Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung … ausgesetzt, das bei … eine … Verzweiflung auslösen würde.

B: Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinnerungen, lebendige Erinnerungen, sich wiederholende Träume oder durch innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder mit ihr in Zusammenhang stehen

C: Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen, werden tatsächlich oder möglichst vermieden. Dieses Verhalten bestand nicht vor dem belastenden Erlebnis

D: Entweder 1 oder 2:
1. Teilweise oder vollständige Unfähigkeit, einige wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern

2. vorhanden vor der Belastung und mit zwei oder mehr der folgenden Merkmale):

 Anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen Sensitivität und Erregung (nicht

Ein- und Durchschlafstörungen

  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Hypervigilanz

E: Die Kriterien B, C und D treten innerhalb von sechs Monaten nach dem Belastungsereignis oder nach Ende der Belastungsperiode auf (Aus bestimmten Gründen… kann ein späterer Beginn berücksichtigt werden, dies sollte aber gesondert angegeben werden